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Gedichte
Raimund Fellner Sonnenvögel

Sonnenvögel
Farbiger Linolschnitt von Raimund Fellner

  Nostalgie

O Träume von vergangnen Jahren,
gesuchte Worte in Gesprächen
für Mädchen mit den langen Haaren,
Blicke, die in Tiefen träfen.

Mädchen mit beschmierten Jeans,
barfuß frei im Gras,
als blieben sie immer die gleichen Teens;
wie war ich froh, wenn eine neben mir saß.

Die oder jene zu erringen,
diese Gedanken füllten mir die Tage aus,
und hört ich sie nur einmal singen,
das Bild genügte für Wochen zu Haus.

Stets ein banges Hoffen,
wird sie sich neben mich setzen,
wann wird wieder auf sie getroffen,
ein ständig gespanntes Hetzen.

Glückliche sonnige Gammelstunden,
voller utopischer Ideen,
keine fühlte sich je an mich gebunden,
und die mir alles einte,
             werd ich sie jemals wiedersehn?



Das Gewissen

Ich trag ein Bewusstsein mit mir,
eine Welt in der Welt,
in die ich gestellt,
ein beladener Raum in mir.

Fehlungen der Vergangenheit für immer
sind eingegraben im Sinn,
losgelöst vom Leib ist er hinter der Stirn;
die einigende Lösung kommt die nimmer?

Hier ist Geist und hier ist Leib;
irgendwo sitzt Gefühl und Gemüt.
Um Einheit der Splitter bin ich bemüht.
Die Dinge denkend zu empfinden liegt weit.

So weinen denn nur meine Gedanken;
der Leib fühlt beklommen;
wär doch alles verschwommen,
und brächt Weinen zerreißend mich ins Schwanken.



Bedrückung

Traurig, weil du mich nicht liebst
Bedrückt, weil das Leben so leer
Alleinsein ist so schwer
Nichts, das du mir gibst

Vergangen die Träume mit dir
Zerrissen die Zeit verrauchen
Zu nichts zu gebrauchen
Niemand will was mit mir

Heute, gestern und morgen
Alles verläuft für mich gleich
Das Leben, langweilig und bleich
Ach wär ich doch schon gestorben

Hoffen, wozu und worauf
Zu enttäuscht zu hoffen
Zu tief bin ich getroffen
Kein Wunschtraum geht mir voraus

Mein Sinn liegt im Unglück
Ich frag nicht warum und wozu
Es bleibt so, nichts kommt dazu
Leid und Beklemmung ist mein Stück

Wer bringt mir Freude und Glück?
Diesen Anspruch wag ich nicht zu stellen
Das Erlebte tut mir alles vergellen
Niemand will, was ich gebe, zurück

Was ich will ist Träumen mit dir
Alles durch dich fühlen
Sehnsüchte mit dir erfüllen
Ich und du sind wir



Büstenhalter sind Liebestöter

Ich mag keinen korsettierten Busen,
wie ´s widerlich und unfrei ist;
lass ihn wogen in der Blusen,
so wie ´s natürlich ist.

Wer hat nur erfunden diesen Büstenhalter,
der mich trennt von dir,
als ob ein Busen als ein hochgeschnallter,
könnt je gefallen mir.

Ist er nicht schön, kann Kleidung ihn verdecken;
ist er formvollendet, so zeige ihn;
doch ihn mit Stütze raus zu recken,
hat keiner Schönheit je verliehn.



Freie Liebe

Trauen statt trauen lassen.
Vertraut statt angetraut.
Traut betraut.
Treu der Liebe.



Denkebenen

Es gibt mehrere Denkebenen.
Auf der ersten stehen die Eltern,
auf der zweiten die Lehrer,
auf der dritten das Berufsziel.
Einen Strich durch diese Denkebenen
macht paradoxerweise eine vierte Denkebene;
sie hat irgendetwas mit Liebe zu tun.



Der Beginn der Liebesarbeit mit Doris

Sittenlos wie mein Idol
umzwistete dein Froschmund
mit seinen tieffliegenden Träumen
meine wahre Illusion.
Der Mond in seiner fetten Fülle
beschienen von der verborgenen Sonne
weckte lebbare Gefühle der Wollust.
Freigeschrieben zu gutem Gewissen
durch Beas weisen Scheidungsbrief
begann mit einem Schmerz,
ob der bewusstgetanen Abirrung von ihr,
der mühsame Weg der Erkenntnis
zurück in die Ewigkeit.



Überich und Unterdu,
ich und du,
wir.



Das wiedergefundene Paradies

Gischtiges Wasser umspült deine Scham,
wie eine Gerte gespannt dein Leib,
sonnendurchflutet dein Haar,
liegst du am Strand.

Deine Schönheit freut mich,
die so lustvoll mir hold.
Ich spür dich mich fühlen,
werde umfasst von deinem Verlangen.

Wir haben die Freiheit,
innezuhalten und fortzufahren
im Fluss der Erkenntnis.
Erlöst von Schuld strömt das Treuegefühl.

Freude, die nie zu Ende,
Lust in ewiger Vielfalt,
nie versiegend,
Gott, der die Liebe.

Sag, kann man Treue fühlen?
Mit Schmerzen empfand ich dich
all die Zeit,
da du mir fehltest.

Ich söhnte mich aus.
Nun spür ich dich mit mir.
Das macht mich autark.
Ich bin frei, denn du bist da.



Das Weinen des Erkennens:
Die Freude, alles und nichts falsch gemacht zu haben,
weil alle Schuld aufgehoben ist in Gott.
In deinen Augen die Freude für immer.
Deine holde Schönheit,
die mich freut zu wonnigem Gefühl.
Weil das unser gemeinsames Leben,
strömt unversieglich die Lust der Treue.



Tele-Onanie

Bea meine Lustsklavin
mit dir teleonaniere ich;
du willst keine Kinder,
weil ich auch keine will.
So bleiben wir ewig kinderlos.
Und frönen der Lust.



 Unanstand

Ich liebe die unanständigen Mädchen,
wie die Bea eins ist.
Nur ein unanständiges Mädchen ist reizvoll
wie Bea.

Bea, unanständiges Mädchen
mit reizvollem Unanstand.
Und doch hatte ich nicht den Mut,
dich unanständig zu berühren.



Das Hippiemädchen, Bea

Es macht dir Freude,
dich den Begehrenden zu schenken.
Selbstverständlich verhütest du,
damit die Liebe frei bleibt,
und nicht die Reue auf die Lust folgt.

Ich, der ich dich liebe,
wollte es dir an Erfahrung gleich tun,
um dir würdig zu sein.
Darum lebte ich meinen Trieb mit anderen,
obgleich all meine Lust und Liebe dir gilt.
Auch ich verhüte,
damit kein Verdruss folgt.

Du missverstandest mich,
als würde ich dich nicht lieben,
nur weil ich das Ding mit anderen machte.
So verdrängtest du die Wahrheit unserer Liebe.
Als Beweis der wahren Treue,
bleibe ich kinderlos wie du.
Denn das erträumte ich mit dir:
kinderlose Liebe auf ewig.

Nun da du gestorben,
siehst du,
wie sich ´s mit unserer Liebe wirklich verhält.
Wir söhnen unsere Missverständnisse aus
und frönen auch weiterhin der freien Liebe,
die innerlich empfunden
in reizvollen Freuden.

Wahre Liebe ist frei,
und wenn freie Liebe wahr ist,
so macht sie autark,
wenn sie verinnerlicht,
denn du liebst mich richtig,
wie du mir im Traum versichertest.

So frönen wir ewig kinderlos der Lust
und vergnügen uns innerlich.
Orgasmus der Gefühlserkenntnis
folgt auf Orgasmus, endoerotisch.
Unsere reziproke Korrelation
ist absolut, weil hermetisch.
Wir erfahren die Wonne Gottes, der die Liebe,
in unentwegter Lust und nachdenklicher Freude,
denn unsere Vergangenheit
beinhaltet so manche traurige Torheit,
worüber ein andermal berichtet sei.



Die Lust mit Bea

Ich ließ dich unberührt,
weil vor dem Danach, da fürchtete ich mich,
wenn die Lust im Erguss verebbt ist.
Was würde ich dann noch für dich fühlen?

Denn immer wollte ich dich spüren,
ohne Verdruss und Reue,
ohne die Peinlichkeit,
wenn ein Kind sich ankündigt.

Ich irrte ab von dir,
ohne mich zu erklären,
erforschte andere,
um dich zu erkennen.

Den Schmerz betäubte ich
mit Nikotin und Kaffee.
Die unguten Gefühle verdrängte ich
mit Masturbation.

Denn eigentlich wollte ich mit dir zusammen sein
und nicht mit einer anderen.
Doch unsere Liebe passte nicht in die Endlichkeit,
denn unsere Lust wollte tiefe, tiefe Ewigkeit.

Erst jetzt, da du gestorben,
fröne ich der keuschen Lust,
ich spüre dich in mir,
und freue mich des nie versiegenden Treuegefühls.

So rührt uns Gott an, der die Liebe,
wenn wir ihn genießen in der Wonne.
Verlässlich sorgt er dafür,
dass die Abwechslung kein Ende hat in unsrer Lust.